Torque Vectoring Getriebe

Das eigens entwickelte Torque-Vectoring-Getriebe verleiht dem MUTE eine Fahrdynamik, die spürbar agiler und besser ist, als die lediglich 15kW starke Antriebsleistung vermuten lässt. Hiermit lassen sich die Drehmomente zwischen den Rädern einer angetriebenen Achse unabhängig von den vorliegenden Drehzahlen beliebig verteilen. Die somit unterschiedlichen Antriebskräfte erzeugen ein Giermoment um die Hochachse des Fahrzeugs, wodurch die Querdynamik direkt beeinflusst werden kann. Torque-Vectoring wird unter anderem genutzt, um das Verhalten des Fahrzeugs bei alleiniger Bremsung der Hinterachse dem normalen Fahrverhalten bei idealer Bremskraftverteilung anzugleichen. Dadurch kann das Niveau der Rekuperation in Kurven signifikant angehoben und so die insgesamt nutzbare Bremsenergie in gleichem Maß erhöht werden.
Im Gegensatz zu einem ESP-System ist das Torque-Vectoring-System nicht nur in der Lage einzelne Räder zu bremsen, sondern gleichzeitig andere Räder anzutreiben. Die derzeit auf dem Markt befindlichen Systeme ermöglichen die Drehmomentverteilung mittels schlupfgeregelter Lamellenkupplungen bzw. –bremsen, welche hohe Verlustleistungen aufweisen können. Beim vorliegenden Konzept wird eine zusätzliche Steuer-E-Maschine zur Drehmomentverteilung eingesetzt, deren Leistung dem Antriebsstrang zufließt und somit keine Verlustleistung darstellt.
Das Torque-Vectoring stellt bei heckangetriebenen Elektrofahrzeugen zudem ein wirksames Mittel zur Steigerung der Rekuperationsfähigkeit dar. Die Energierückgewinnung beim Bremsen (Rekuperation) ist wegen ihres hohen Kraftniveaus ein Alleinstellungsmerkmal von Elektrofahrzeugen. Durch die elektrische Abbremsung in möglichst vielen Situationen kann die Bewegungsenergie in den Energiespeicher zurückgeführt werden. Für Fahrzeuge mit Heckantrieb ist dies eine Herausforderung für die Stabilität des Fahrzeugs. Ohne intelligente Maßnahmen hätte das Fahrzeug beim Verzögern in engen Kurven und bei schlechter Haftung ein unangenehmes Verhalten für den Fahrer oder die elektrische Verzögerung müsste sehr niedrig angesetzt werden.
Das Fahr- und Bremsgefühl darf zudem nicht von den unterschiedlichen Bedingungen beeinflusst werden.
Die Lösung ist eine adaptive Regelung, die mit Hilfe des Torque-Vectorings die Momente an der Hinterachse beim Bremsen nach Kriterien der Haftung und der nötigen Gierkorrektur ideal verteilt. Wenn dies nicht ausreicht, um eine gleichbleibende Verzögerung und Stabilität zu gewährleisten, werden die Momente an der Hinterachse reduziert und zusätzlich an der Vorderachse mit der Betriebsbremse verzögert.

