Teleoperiertes Fahren
Neben den Sicherheitssystemen sind auch die Besonderheiten von zukünftigen Mobilitätskonzepten und deren Auswirkung auf die Fahrerassistenz bedeutsam für den Kunden. Es ist davon auszugehen, dass Elektrofahrzeuge in Zukunft nicht das komplette Mobilitätsbedürfnis von Stadtbewohnern befriedigen können.
Vielmehr wird das Elektrofahrzeug als zusätzliches Transportmittel dienen. Es bietet sich an, Elektrofahrzeuge in Car-Sharing-Projekten zu verwenden. Da die Verteilung der Fahrzeuge bei Car-Sharing-Konzepten schwierig ist, sind autonome Fahrzeuge die angestrebte Lösung. Die bisherige Forschung hat allerdings gezeigt, dass das autonome Fahren selbst in einigen Jahrzehnten nicht den Weg in den öffentlichen Stadtverkehr finden wird.
Seit den 80er Jahren wird vermehrt über autonome Fahrzeuge geforscht. Es zeigt sich immer wieder, dass autonomes Fahren möglich ist, allerdings nur in bestimmten, wenig komplexen Situationen. Einige Autobahnszenarien, Stau und Stop-and-Go-Verkehr erfüllen teilweise diese Bedingungen. Komplexere Szenarien, wie beispielsweise das Fahren im Stadtverkehr, bleiben weiterhin sehr schwierig in der Umsetzung, da die Komplexität mit vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern und unübersichtlichen Straßentopologien zu groß ist. Ferner steht auch die rechtliche Lage dem Einsatz autonomer Fahrzeuge im Wege.
Daher wird vermehrt daran geforscht, Fahrzeuge teleoperiert und semi-autonom zu steuern. Durch dieses der Robotik entliehene Konzept wird ein menschlicher Fahrer wieder in den Regelkreis eingebunden, um die Komplexität zu beherrschen. Teleoperiertes Fahren bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein externer Operator das Fahrzeug mit Hilfe mehrerer Live-Videostrems steuert. Dabei ist der Operator mittels kabelloser Datenübertragung - z. B. über WLAN oder Mobilfunk (UMTS, LTE) - mit dem Fahrzeug verbunden. Ein Server steuert die Kommunikation und kann zusätzlich rechenintensive Aufgaben übernehmen oder weitere Informationen aus dem Internet bereitstellen.
Dies können etwa bestimmte aufbereitete Navigationsdaten sein, zum Beispiel eine besondere energieeffiziente Navigation für Elektrofahrzeuge, die sich auf Grund ihrer Rechenkomplexität auf herkömmlichen Fahrzeugsteuergeräten nicht berechnen lässt. Hierdurch wird gleichzeitig eine Car2Server-Kommunikation entwickelt, die auch abseits der Teleoperation den Fahrer mit Informationen wie zur vorausliegenden Verkehrslage effizient unterstützen kann.
Anwendungsgebiete für teleoperierte Straßenfahrzeuge könnten vor allem jegliche Formen der Fahrzeugbereitstellung sein z.B. bei Mietwagen oder Car-Sharing-Projekten. Dabei wird das Fahrzeug dem Kunden teleoperiert direkt an den gewünschten Ort gefahren, ohne dass ein Mitarbeiter diesen Weg ebenfalls zurücklegen muss. Dieses Konzept könnte vor allem die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Stadtgebieten mittels Car-Sharing deutlich beschleunigen.
Um die Machbarkeit des teleoperierten Fahrens zu untersuchen, werden vor allem drei Fragestellungen im Rahmen des MUTE Projekts untersucht:
1. Die Datenübertragung sowohl der Videodaten als auch der Steuersignale wird zu einem Zeitverzug führen. Die Frage ist: Welche Zeitverzögerungen sind für eine sichere Fahrzeugführung maximal zulässig und wie können diese beherrscht werden?
2. Da der Operator nicht im Fahrzeug sitzt, muss man sich fragen, welche zusätzlich Informationen ein Teleoperator benötigt, um ein Fahrzeug genauso gut fahren zu können wie ein on-board Fahrer.
3. Teleoperiertes Fahren basiert auf einer kabellosen Datenübertragung zwischen mobilem Fahrzeug und Server. Dabei kann eine störungsfreie Datenübertragung aber nicht garantiert werden, wodurch sich die Frage nach einem geeigneten Sicherheitskonzept stellt.

